Andacht aus Weg und Ziel 1/2 2026

Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat. 5. Mose 26, 11 (Monatsspruch Februar 2026) Pfr. Waldemar Gabryś, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Leszno (Lissa)

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, heute wieder einige Gedanken mit Ihnen teilen zu dürfen. Hinter dieser Freude verbirgt sich jedoch eine große Verantwortung und ein gewisser Druck. Der Druck, was ich in der ersten Ausgabe des neuen Jahres schreiben soll. Was soll ich Ihnen ans Herz legen? Gemeinsam treten wir nämlich in das neue Jahr 2026 ein. Der Beginn eines Jahres ist normalerweise mit vielen Erwartungen und Hoffnungen verbunden. Wir begrüßen das neue Jahr mit Freude, wie einen lang ersehnten Gast, und haben auch unsere Erwartungen daran. Mir scheint jedoch, dass wir mit zunehmendem Alter diese entscheidende Zeit mit weniger Emotionen und etwas gelassener durchleben. Es fällt uns leichter, den Kalender an der Wand zu wechseln. Wir haben das schon oft erlebt, und nun? Nichts. Das Jahr kommt und geht, und unser Leben scheint das gar nicht wahrzunehmen.

Ich möchte Sie alle dazu ermutigen, etwas zu verändern. Und damit meine ich nicht etwa große Neujahrsvorsätze. Große Pläne bleiben oft nur Pläne. Dinge, die viel Kraft, Mittel und Zeit erfordern, bleiben oft unerfüllt. Warum? Weil sie uns einfach nicht wirklich wichtig sind. Wenn uns etwas wichtig ist, warten wir nicht auf das neue Jahr oder einen anderen Wendepunkt, sondern tun es einfach. Wenn wir ausreichend motiviert sind, kann uns nichts aufhalten.

Liebe Freunde, die Losung für den Monat Februar hat mich überrascht und zum Nachdenken gebracht. Es handelt sich um die Aufforderung oder Empfehlung: Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute! Ich habe mich sofort gefragt: Kann man sich nicht über das Gute freuen, über etwas Gutes, was ich oder meine lieben Mitmenschen erhalten? Das ist doch unlogisch! Kann man sich zum Beispiel nicht über Weihnachtsgeschenke freuen…? Dann kam mir ein bitterer Gedanke. Ja, das kann man. Und das ist gar nicht so selten. Wie oft freuen wir uns nicht über das, was wir bekommen, weil wir etwas anderes erwartet haben? Wie viele Geschenke, nicht nur materielle, entsprechen nicht unseren Erwartungen?

Dabei fällt mir eine Anekdote ein: Wie lange freut sich ein Mitarbeiter über eine Prämie von 200 Euro? Bis er erfährt, dass sein Arbeitskollege 220 Euro bekommen hat. Das trifft vielleicht nicht auf alle zu, aber ich glaube, dass dies ein Bild des heutigen Menschen ist. Ich habe es verdient, mir steht alles zu. Ich habe zu wenig erhalten, als ich eigentlich bekommen sollte. Das ist übrigens nicht nur eine Frage unseres Zeitalters.

Matthäus (20,1-16) enthält das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Es handelt von einem Weinbergbesitzer, der allen Arbeitern den gleichen Lohn zahlte, unabhängig davon, wie lange sie gearbeitet hatten. Alle wurden gut oder sehr gut bezahlt. Einige begannen jedoch zu protestieren: Warum haben sie mehr bekommen? Ist das gerecht? Am Ende der Diskussion sagt der Weinbergbesitzer: Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche uns allen, dass das gerade begonnene Jahr ein Jahr der Freude und des Glücks wird. Lernen wir wieder, die kleinen Dinge zu sehen und uns an jedem Tag und jedem Geschenk zu erfreuen, das wir vom Schöpfer erhalten. Möge aus unserem Herzen und unseren Lippen folgendes Gebet kommen: Denn, Herr, du lassest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände! (Ps 92,5) Amen.

Aus der Zeitschrift Weg und Ziel / Ev. Luth. Deutschen aus Polen (Hilfskomitee) e.V.