Jesus Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ Offenbarung 21,5
Pfarrer i.R. Friedhelm Hans
Die Geschichte endet hoffnungsvoll. Gottes Wort ist eindeutig positiv. Alles neu, das klingt voller Zuversicht. Es kommt alles anders als früher und vor allem, es kommt alles anders, als es jetzt ist. Vor uns liegt eine neue Welt ohne Mord und Totschlag. Die Verfolgungen hören auf. Sie waren für die christliche Gemeinde der ersten Jahrhunderte eine tatsächliche, ständig lauernde Gefahr. Nicht nur die römischen Kaiser haben den Christen den Garaus gemacht, Christen lebten unter der ständigen Gefahr, die etwa von einem missgünstigen Nachbarn ausgehen konnte. Solche Nachbarn haben vermutlich ebenso viel Christenleben auf dem Gewissen wie die Schergen der Staatsmacht. Nachbarn waren Heiden und Juden, von denen sich Christen irgendwann getrennt haben oder aus der Synagoge geworfen wurden. Mit der Trennung hinterließen die Christen eine offene Rechnung.
Alles neu meint das Ende von Verfolgung durch Römer und Juden, im weiteren Sinn das Ende von Katastrophen und Not, von Hunger und Durst, Streit oder in unserer Zeit, das Ende von lebensbedrohlicher Kälte, die in der Ukraine derzeit von der menschenverachten-den Kriegsführung eines tyrannischen Staates verursacht wird. Das Gebet Paul Gerhardts, „Mach Ende, Herr, mach Ende“, hat einen historischen und aktuellen Bezug.
Gott dagegen macht alles neu. Darauf stützt sich all unsere Hoffnung. Der Glaube ist der Gegenpol von Zweifel und Resignation und erweist sich als praktische Lebenshilfe. „Alles neu“ ist alles andere als ein Jenseitsglaube oder als Weltflucht. An Weihnachten kam Gott in die Welt und wurde Fleisch und Blut, Gott wurde Mensch.
Jesu Heilungen, seine Gespräche, sein ganzes Wesen brachte Ermutigung durch Verkündigung des Evangeliums. Das Reich Gottes bricht an, wo der Glaube in einem Menschen aufkeimt und Menschen im Sinne Gottes handeln. Wenn uns nach Luther „Christus treibet“, bricht das neue an. Dann kommt Leben und Hoffnung, ja Freude in unsere Welt.
Gott macht alles neu, „uns zugute“ (Paul Gerhardt im Weihnachtslied). Gott nimmt uns mit. Christen haben das Zeug, die Welt zu verändern.
Ich denke an Beispiele der jüngeren Vergangenheit, etwa an Albert Schweizer mit seiner „Ehrfurcht vor dem Leben“. Krankenhilfe ist Christenpflicht. Wir helfen, ohne erst zu fragen, ob er getauft ist. So engen Sektierer die Liebe ein; Gott ist in seiner Liebe weitherzig. Doch wir verschweigen nicht, wer uns zum Guten antreibt. Krankenpflege und Heilung sind wie eine Tür, die zu Gott führt. Christus selber sagt: Ich bin die Tür. Christus will von uns immer wieder bekannt werden. Das christliche Leben versteht sich als Einladung für andere, ja sogar, um es noch besser zu machen, als wir es fertig bringen.
Gott macht alles neu. Er ist der Anfang uns das Ende, Schöpfer und Vollender. Er ist der unermüdlich Schaffende, der die Welt heil macht (denken wir an das Wort von Christus als dem „Heiland“).
Das Jahr ist neu, darum ist der Anfang des weltlichen Jahres zugleich ein Anfang für den Glauben. Jeden Tag gilt es, mit dem Glauben neu anzufangen: „Neu anfangen“ war vor 40 Jahren ein Slogan in der Kirche. Man suchte neue Wege im Gemeindeleben. Viel Gutes wurde unternommen. Im Grunde sollte man die Initiative neu auflegen, anstelle sich in Strukturdebatten zu verlieren. Neu anfangen heißt auch, junge Menschen für den Pfarrberuf gewinnen. Nicht das knapp gewordene Geld ist das Problem der Kirche, sondern der ausbleibende Nachwuchs.
Daher wären die Anstrengungen auf lebendige Gemeinden zu stützen. Es ist viel zu kurz gesprungen, wenn man sich mit der Zusammenlegung von Pfarrämtern begnügt und damit die Präsenz reduziert, Der Satz „Ich glaube die eine gemeinsame Kirche“ steht über den Konsolidierungsvorgängen.
Kirche hat Zukunft, wenn sie sich an Gott hängt. Nicht die Struktur, sondern in Gott alles neu.
Daher: Lassen wir uns von Gottes Heiligem Geist tragen. Mit ihm überwinden wir alle Niedergeschlagenheit und schöpfen alle Zuversicht. Die frohe Hoffnung trägt durch. Sie überzeugt. Im Vertrauen auf Gott wird alles neu, unter uns und mit Gottes Hilfe in aller Ewigkeit.

