Andacht zum 80-jährigen Bestehen des Hilfskomitees
Die Jahreslosung für das Jahr 2026 hat uns eine wunderbare Verheißung mit auf den Weg gegeben: Siehe, ich mache alles neu! sagt Gott.
Das ist zum einen eine ganz persönliche Zusage an jeden und jede von uns. Aber vielleicht auch eine Zusage für die Welt, in der wir leben.
Denn angesichts der Kriege und Veränderungen, die wir in diesen Zeiten erleben, brauchen wir Neuaufbrüche in eine bessere Zukunft.
In diesem Jahr jährt sich die Gründung unseres Hilfskomitees zum 80. Mal. Dabei ist unsere Geschichte auch eine zu einem Neuaufbruch und im Rückblick lässt sich bei allem Leid doch eine positive Geschichte erzählen.
Wir als Deutsche haben mit Polen unseren Platz in Europa gefunden. Beide Gesellschaften haben sich miteinander und mit ihrer gemeinsamen Geschichte weitgehend versöhnt – trotz mancher Missklänge und Versuche, Geschichte rückgängig zu machen. Die gemeinsame Geschichte als etwas zu betrachten, was uns verbindet und eben nicht trennt, dafür haben sich das Hilfskomitee und die Landsmannschaft Weichsel-Warthe jahrzehntelang eingesetzt.
Es galt Brücken zu bauen und Grenzen zu überwinden. Beides ist gelungen.
So können wir dankbar und getröstet auf das zurückblicken, was geworden ist.
Wir haben erlebt, wie sich die Verheißung Gottes Ich mache alles neu bereits erfüllt hat und dürfen voller Zuversicht sein, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird.
Dazu wird es wichtig sein, nationalistisches Denken zu überwinden und sich als Teil einer gemeinsamen europäischen Verantwortungsgemeinschaft zu verstehen. Dabei geht es nicht um die Auflösung nationaler Identitäten als vielmehr der Realität ins Auge zu sehen, dass eine patriotische Haltung uns in Europa zusammen führen muss und eben nicht dazu, uns national voneinander abzugrenzen. Nur gemeinsam können wir Frieden und Wohlstand sichern und unsere eigenen Interessen auf der Ebene der Weltgemeinschaft zur Geltung bringen. Der Krieg in der Ukraine lehrt uns vielleicht dies zu verstehen.
Ich hoffe und bete dafür, dass dieser Krieg recht bald ein gerechtes Ende finden wird.
Jesus Christus hat vorgelebt, wie Grenzen zu „den Anderen“ überwunden werden können und wie auch „der Andere“ mein Nächster werden kann.
Genau diese Haltung brauchen wir in diesen bewegten Zeiten für die Zukunft Europas. Dabei geht es immer um eine Einheit in Vielfalt.
Wir alle, die Nationen Europas, gehören zusammen und haben doch auch ihre eigene Identität und Geschichte.
Doch das, was uns unterscheidet, kann uns auch verbinden. Denn der Frieden bei Gott erfordert, das Menschen und Völker zueinander finden und dabei ihre Verschiedenheit, auch in ihren Erfahrungen und Sichtweisen, akzeptieren.
Diesen Frieden wünsche ich Ihnen und uns allen.
Pfr. Oliver Behre, stellvertretender Vorsitzender des Hilfskomitees und Obmann für die Wolhyniendeutschen im Hilfskomitee

